Die Cr├ęmantÔÇôRegatta 2014
Wenn sich zwei Boote unter Spinnaker entgegenkommen, ...dann ist Regatta in Mittersheim

 
 
Als ich samstags morgens mit Marilyn am Haken durch die h├╝gelige Landschaft Lothringens nach Mittersheim rollte, versprach der best├Ąndige Wind und der blaue, leicht bew├Âlkte Himmel ein Segelwochenende vom Feinsten.
So blieb es auch noch, als ich vor dem Gel├Ąnde des YC Saarbr├╝cken ankam und nach der ├╝blichen herzlichen Begr├╝├čung mein Boot auftakelte. Immer mehr Segler fanden sich ein, auch zwei franz├Âsische Crews waren dabei und rechtzeitig zum Start lagen 13 Boote am Steg.
 
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Der Wind wehte zwar immer noch, konnte sich aber wieder mal nicht f├╝r irgendeine Richtung entscheiden. Es war keine leichte Aufgabe f├╝r den Wettfahrtleiter Heinz Ackermann, die Startrichtung festzulegen, denn es kann in Mittersheim nur in n├Ârdlicher oder in s├╝dlicher Richtung gestartet werden.
Als der Wind zwar schw├Ącher wurde, aber immer l├Ąnger aus Nordost wehte, schickte Heinz das Feld zum ersten Lauf auf die Reise. Die Bedingungen wurden richtig schwierig, denn es gab Abschnitte auf dem See, da war das Wasser spiegelglatt und einige Meter weiter schwarz vom Wind. Dazu begannen Windrichtung und ÔÇôst├Ąrke wieder st├Ąndig zu wechseln und es war kein ruhiger Moment auf dem Boot. Den meisten Wind gab es im "Silbersee", einem in ├Âstlicher Richtung gelegenen schmalen Seitenarm, in den man mit vielen Schl├Ągen hinein kreuzen musste und mit etwas Gl├╝ck unter Spi wieder hinausfuhr.
Die Spitzensegler in unserer Klasse kamen auch mit diesen Bedingungen am besten zurecht und so segelten die Crews Peter Mehs/Heide Harig, Joachim Kirsch/Andreas Fuchs und Andreas Berger/Reinhard Harig auf die ersten drei Pl├Ątze.
Ich k├Ąmpfte wieder mit meinen bekannten SchwachwindÔÇôProblemen und konnte nur auf den SpiÔÇôKursen den Anschlu├č halten, denn meine Vorschoterin Claudia fuhr zwar zum ersten mal Spi, hatte das gro├če Tuch aber schnell im Griff. So reichte es zum 10. Platz im ersten Lauf und wir konnten gleich drau├čen bleiben, denn es war noch etwas Wind ├╝brig.
 
Nachdem das letzte Boot ├╝ber die Ziellinie gefahren war, starteten wir zum zweiten, verk├╝rzten Lauf ├╝ber eine Runde. Jetzt lief es besser bei uns, ich segelte ├Âfter dorthin, wo es auch etwas Wind gab und auf dem langen SpiÔÇôSchlag von der Tonne 2 zur Tonne 4 bekamen wir auf einmal einen kr├Ąftigen Schub genau von Achtern in die Segel und schoben uns an einigen Konkurrenten auf einen 6. Platz vorbei, den wir bis zur Ziellinie halten konnten.
Als ich vor dem Anlegen das Schwert aufholte, bemerkte ich nicht, da├č ich ein kr├Ąftiges Mittersheimer Unterwassergew├Ąchs in den Schacht hineinzog. Wir machten das Boot klar, dachten, es ist alles in Ordnung und freuten uns mit den Anderen auf den nun folgenden Seglerhock.
 
Der lie├č fast keine W├╝nsche offen, fast, denn was mir leider fehlte, war alkoholfreies Bier, speziell Weizenbier.
Noch konnte man drau├čen sitzen, es wurde wie ├╝blich viel gekl├Ânt und gelacht und als nach einiger Zeit die Melodie des elektrischen Messers erklang, wusste jeder, jetzt wird der Braten portioniert und es gibt gleich was auf die Teller.
Es schmeckte alles sehr lecker und die Grundlage f├╝r einen langen Abend war geschaffen. Irgendwann aber hatten sich die meisten ins Hotel, ins Wohnmobil oder auf den Dachboden des Clubhauses verzogen, denn es wurde langsam eine recht k├╝hle Nacht.
 
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Das Fr├╝hst├╝cksb├╝ffet am n├Ąchsten Morgen war reichlich gedeckt, die Cr├ęmantgl├Ąser gef├╝llt und wir konnten uns viel Zeit lassen, denn der See war spiegelglatt und das L├╝ftchen h├Ątte es nicht geschafft, eine Kerze auszublasen. Irgendwann standen die meisten Skipper auf dem Steg, fachsimpelten ├╝ber ihre Boote, die Segel, den Trimm usw. und so manche guten Tipps wurden ausgetauscht.
 
Reinhard hatte eine tolle Idee. Er machte das gro├če Motorboot klar und bot eine Fahrt in den Grand ├ëtang de Mittersheim an. Der beginnt hinter der Eisenbahnbr├╝cke in s├╝dlicher Richtung, liegt im For├¬t de F├ęn├ętrange, ist gr├Â├čer als der Teil, in dem gesegelt werden darf und ist nur f├╝r Motorboote zugelassen. Jeder Passagier hatte eine Schwimmweste zu tragen, denn das ist in Frankreich Gesetz.
 
Die Fahrt machte allen viel Spa├č, denn es gab viel sch├Âne Natur zu sehen und die Motorboote hatten heute dienstfrei. Die Fahrt dauerte und als sie zur├╝ckkamen, war es Zeit, die Boote zum Auslaufen klarzumachen, denn es gab wieder etwas Wind und Heinz wollte noch einen verk├╝rzten Lauf starten. Den Silbersee schenkte er uns und so f├╝hrte der Kurs um die Tonnen 2, 1 und 4 ins Ziel.
Marilyn lag am Steg im P├Ąckchen hinten und so konnten wir erst ablegen, als vor uns alles frei war. Ich steckte die Pinne ans Heck und wollte das Schwert runterlassen. Nichts tat sich. Das hatte ich noch nie, erst klopfte, dann schlug ich auf den Schwertkasten, aber nichts bewegte sich. Schnell schraubte ich den Deckel ab, um von oben das Schwert runter zu dr├╝cken, vergebens. Heinz startete den letzten Lauf, denn es war nicht abzusehen, ob wir noch startklar w├╝rden.
Mittlerweile waren einige Helfer dazu gekommen und so zogen wir das Boot um den Steg herum auf das Schilfufer bei der Trib├╝ne und legten es um. Ich ging ins Wasser, konnte das Schwert fassen und mit der gr├╝nen Pampe, die es blockiert hatte, herausziehen.
 
Das Feld war l├Ąngst davon gezogen, aber wir machten uns zur Startlinie und fuhren hinterher, bei ganz schwachem Wind und schafften es nach passieren der zweiten Tonne, wieder Anschlu├č an das Ende des Feldes zu gewinnen. So reichte es in diesem Lauf zum 11. Platz.
 
Das Slippen der Boote verlief mit der ├╝blichen Routine, auch wegen des totalen Einsatzes von Andreas Berger, der ins Wasser ging, die Boote ├╝ber die Trailer zog und an der Winde befestigte. Auch an der langen Leine waren gen├╝gend kr├Ąftige H├Ąnde, so da├č schnell alle Boote wieder auf dem Trockenen standen. Grund zum ├ärgern hatte Heinz Dochnahl, der sich das Schwert besch├Ądigte, weil es beim slippen nicht aufgeholt war.
 
Zum Schlu├č gab es noch eine sch├Âne Siegerehrung, die Heinz mit der gleichen Ruhe und ├ťbersicht vornahm, mit der er auch diese schwierige Regatta geleitet hatte. Der Hinweise, die eine Clubkameradin w├Ąhrend seiner Rede zweimal glaubte, geben zu m├╝ssen, h├Ątte es nicht bedurft. Heinz hat noch nie die Helfer vergessen, ohne die so eine Veranstaltung nicht durchzuf├╝hren ist.
 
Bis zum n├Ąchsten Mal, am 13. Juli, bei der Regatta der 50 Boote, wenn der YC Saarbr├╝cken 50 Jahre alt geworden ist.
 
Peter Ohl