Herbstregatta in Losheim.
Der weiteste Weg lohnte sich.

 
Es sah zunĂ€chst nach schöner Segeln aus, als sich am vorletzten September-Wochenende die 517er Segler zu ihrem Saison-Abschluß in Losheim einfanden.
Zwölf Boote waren gemeldet, die Ranglistenwertung also gesichert und der See bot einen seltenen Anblick, denn er war vollkommen frei, kein Tretboot, kein Schlauchboot, kein Schwimmer. Der ganze See wĂ€re unsere BĂŒhne gewesen, aber rechtzeitig, als alle Boote in ihrem Element waren, verabschiedete sich der Wind vom Geschehen und man hĂ€tte eine Kerze auf den Tisch stellen können.
 
Erst letztes Jahr war die Regatta wegen Windstille bei sommerlichen Temperaturen an beiden Tagen ausgefallen. Das durfte sich eigentlich nicht noch einmal wiederholen.
Das Warten wurde uns aber wieder angenehm gemacht und an der Kuchentheke lauerten viele Kalorien den Seglern auf, die an diesem Samstag nichts anderes mehr tun sollten als gut zu essen, zu trinken und viel zu reden. Besonders ein Losheimer Original, der das Clubboot ’Anke’ segeln sollte, verpasste seinen jeweiligen Tischnachbarn reihum rote Ohren.
Die Zeit verging und am spĂ€ten Nachmittag hob Wettfahrtleiter Guido Becker die Startbereitschaft auf. Der Wetterbericht fĂŒr den nĂ€chsten Tag stimmte aber optimistisch und umso mehr freuten wir uns jetzt auf den Seglerhock.
 
Dazu hatte sich Marliese Becker zusammen mit Hanne und BĂ€rbel viel Arbeit gemacht. Der Zwiebelkuchen, von dem sie uns einige Quadratmeter auf den Tisch stellten, schmeckte so gut, daß jeder, mich eingeschlossen, immer wieder nachfasste, obwohl man eigentlich lĂ€ngst satt war. Nicht weniger als 13 kg Zwiebeln hatten sie geschnippelt und Teig aus 4,5 kg Mehl geformt. Dazu gab es Federweißer aus dem Steinkrug, ein wahrer Genuss.
Das wirklich einzige, was dem Seglerhock fehlte, war Musik.
 
Der Sonntag begann zunĂ€chst mit einem reichhaltigen, gemeinsamen FrĂŒhstĂŒck und dann ging es auf die Boote, denn der erste Start war fĂŒr 10 Uhr angesetzt. Das Wetter schien genau richtig. Der Himmel war zwar meist wolkenverhangen, aber es regnete nicht und der Wind wehte konstant mit 3-4 Bft aus Nordost. Und wir hatten den See immer noch fĂŒr uns.
Ideale Bedingungen.
 
Um 10:10 Uhr startete Wettfahrtleiter Guido Becker die erste Wettfahrt, bei der Dreieck und Schleife zweimal zu durchsegeln waren. Den besten Start erwischten die Crews Kirsch/Fuchs und Harig/Jacobs vor Becker/Becker. Das versprach spannend zu werden, denn aus dem Mittelfeld drÀngten noch Peter Mehs und Heide Harig nach vorne.
Ich konnte mir das Treiben vom Startboot aus ansehen, denn ich durfte nach einer Augenoperation noch nicht mitsegeln und wurde kurzerhand zu Horsts Assistent ernannt. Marilyn war aber trotzdem dabei, die beiden Becker-Töchter Annika und Carolin erlebten auf ihr den Unterschied zwischen einem 470er und einem L17. Besonders die Tonne 3 hatte es ihnen angetan, dort ließen sie sich einmal ohne Gegenwehr aus dem Mittelfeld nach hinten durchreichen und fuhren dann noch einen Kringel.
Es waren ĂŒbrigens drei reine Frauen-Crews unterwegs. Caroline und Elena Gebhardt segelten ihren 517er zum ersten Mal alleine in einer Regatta und sie machten ihre Sache ganz ordentlich. Viele SchlĂ€ge segelten sie allerdings unnötig lang und verhinderten so eine bessere Platzierung. Der dritten Frauencrew, Stephanie Motsch und Jutta Ferry, fehlte es einfach nur an SegelflĂ€che. Ohne Spinnaker und Genua hat man in diesem Feld keine Chance. Wenn Stephanie ihren 517er in der neuen Saison aufgerĂŒstet hat, werden die beiden fĂŒr Überraschungen gut sein, da bin ich mir sicher. Motivation und Spaß an der Sache sind jedenfalls genĂŒgend vorhanden.
Schon nach 61 Minuten drĂ€ngten Kirsch/Fuchs, gefolgt von Harig/Jacobs und Mehs/Harig ĂŒber die Ziellinie. Die Spitzengruppe wurde abgeschlossen von Becker/Becker, Kußmann/Dörsam und Berger/Harig.
Haas/Dochnal segelten eine konstante Regatta und beendeten alle drei LĂ€ufe auf dem siebten Rang.
Nachdem MĂŒller Ludwig mit gebrochenem Oberwant den ersten Lauf und die Regatta als Letzter beendet hatte, verlegten wir das Startschiff wieder in die Startposition. Das Wetter war immer noch gĂŒnstig und wir wollten mindestens drei LĂ€ufe schaffen.
Der Start klappte wieder problemlos und der Wind hatte noch einen Tick zugelegt. An der Spitze entbrannte wieder der Zweikampf Mehs/Harig gegen Kirsch/Fuchs. Auf den dritten Platz schoben sich Becker/Becker und in dieser Reihenfolge beendeten die ersten Drei bereits nach 55 Minuten den zweiten Lauf. Die mittlere Geschwindigkeit betrug in diesem Lauf 3,5 Knoten.
Nachdem sich Marilyn mit Annika und Carolin als Letzte ĂŒber die Ziellinie geschoben hatte, verlegten wir das Startschiff wieder in Position, denn Guido wollte nach RĂŒcksprache mit der KĂŒche den dritten Lauf bei den noch herrschenden 3–4 Bft durchziehen, danach erst Mittagessen und dafĂŒr auf den vierten Lauf verzichten.
Eine kluge Entscheidung, denn der Wind machte mit und es wurde auf den RĂ€ngen noch einmal richtig spannend. Vor allem an der Spitze schenkten sich die beiden fĂŒhrenden Crews nichts, aber Mehs/Harig behielten die Nerven, ließen sich auch von angetĂ€uschten Manövern nicht beirren. Der letzte Schlag auf der Zielkreuz war der beste und so rauschten sie mit einem denkbar knappen Vorsprung vor Kirsch/Fuchs ĂŒber die Linie und entschieden die Regatta fĂŒr sich.
Harig/Jacobs beendeten den Lauf nach einer konstanten Leistung auf dem dritten Platz, gefolgt von Berger/Harig, die sich auf der Ziellinie ein Duell mit Becker/Becker lieferten und es nach Diskussionen auf dem Becker-Schiff knapp fĂŒr sich entscheiden konnten. Die letzte Crew des Spitzenfeldes war nach einer ebenfalls konstanten Leistung Kußmann/Dörsam.
Der siebte Platz war von Haas/Dochnal gepachtet und so beendeten Fuchs/Fuchs, Motsch/Ferry, Annika/Carolin und Gebhardt/Gebhardt den dritten Lauf in dieser Reihenfolge.
 
Eine schöne Regatta bei fast idealen Segelbedingungen war zu Ende. Es war ein gelungener Saisonabschluß und das Segelrevier Losheimer Stausee mit seiner Enge im Umfeld und seinen schwierigen WindverhĂ€ltnissen hatte Gelegenheit, sich von seiner besten Seite zu zeigen und tat das auch. Alle, die diesmal dabei waren, werden auch im neuen Jahr wieder kommen.
 
Als wir uns nach dem Mittagessen, der Siegerehrung und noch etwas GesprÀch voneinander verabschiedeten, war es anders als beim letzten Mal, denn die Saison ist zu Ende und viele Segler der Klassenvereinigung sehen sich erst wieder beim ersten Termin im neuen Jahr, der Mitgliederversammlung.
Dort sehen wir uns und reden miteinander, Alle, oder?
 
 
 
Peter Ohl